logoblogg.de • autotest.de 

Montag, 05.07.2004

Ottos Götter wären nichts ohne den Hermeneuten

Otto Rehhagel ist der Apostel der Griechen, sein Hermeneut heißt Ioannis Topalidis. Der Apostel Petrus sieht seine Mission darin, das Wort Gottes unter's Volk zu bringen. Ca. 2000 Jahre später sieht sich Otto Rehakles einer ähnlichen Aufgabe gegenüber: Er wollte dem kleinen Griechenland den Fußball näher bringen. Petrus hatte mit Sprachschwierigkeiten zu kämpfen und war froh, Markus als Übersetzer (Hermeneut) bei sich zu haben (Apg 12). König Otto spricht kein einziges Wort Griechisch. Dass seine Weisheit bei den griechischen Kickern angekommen ist, ist seinem Hermeneuten Ioannis Topalidis zu verdanken.

Der begnadete Engel köpft Griechenland in den Fußball-Himmel

Angelos Charisteas
Angelos Charisteas machte in der 57. Minute das Wunder von Lissabon mit einem Kopfball perfekt. Genau 50 Jahre nach dem Außenseiter-Sieg Deutschlands bei der WM in Bern erklimmen die griechischen Fußball-Zwerge den europäischen Olymp. Angelos ist das griechische Wort für Engel und so sehen ihn seine Landsleute jetzt auch. Sein Nachname Charisteas bedeutet "der Begnadete". Der Apostel Paulus erklärt der Gemeinde in Korinth (1. Kor 12,4-11) über die Gnadengaben (Charismen) folgendes:
"Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist. Und es sind verschiedene Ämter; aber es ist ein Herr. Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da wirkt alles in allem." Es ist Gottes Gnade, die Menschen diese Gaben verleiht. So ist Angelos Charisteas ein begnadeter Fußballer.

Samstag, 26.06.2004

Wunder gibt es immer wieder!

Es ist bemerkenswert, dass zum 50. Jahrestag des deutschen Triumphes im Berner Wankdorfstadion erneut ein großés Fussballwunder geschehen ist. Mitten in Portugal verstand es eine Underdog-Mannschaft aus Griechenland die hoch favorisierten Franzosen mit einem, aus französischer Sicht beschämenden, 1:0 aus dem Turnier zu kegeln.
Heute, einen Tag nach der Sensation, ist die Frage nach dem "Warum" in aller Munde: War es die Unbekümmertheit der Spieler, die der deutsche Trainer der griechischen Nationalmannschaft, Otto Rehagel, immer wieder benannt hat? Oder war es die schwerfällige Arroganz der Franzosen, die sich zu sicher waren im Umgang mit dem Fussballzwerg aus dem Südosten Europas?
Vielleicht nahm dieses Wunder seinen Anfang schon in den Tagen vor der EM. Noch im Trainingslager in Liechtenstein und der Schweiz überreichte der griechische Sportminister Georgios Orfanos jedem Spieler der Nationalelf eine kleine Marienstatue. Ob diese Figuren letztlich den gewinnbringenden Ausschlag im Spiel gegen die Franzosen gebracht haben, ist von dieser Seite nicht festzuhalten. Sicher ist jedoch, dass die Franzosen sich nach ihrer Niederlage von der Fussballbühne der EM 2004 verabschiedet haben und ganz gewiss in den nächsten Wochen himmlischen Beistand bitter nötig haben könnten.

Donnerstag, 24.06.2004

Der Polytheismus ist tot- es lebe der Polytheismus!

Manchem dürfte die Amphiktyonie-These des Alttestamentlers Martin Noth aus Urzeiten noch ein Begriff sein: Ein zwölf Stämme Verband gruppiert sich um ein nationales Heiligtum und findet so nationale und religiöse Einheit. Man besinnt sich, so die These, auf gemeinsame Wurzeln und wird zu einer Gruppe geformt- das Heiligtum stiftet Identität.
Das Vorbild dieser These fand man in der griechischen Antike. Man vermutete, dass griechische Stämme, tief religiös, Athen auf diese Weise aufbauten. Es ist kein Geheimnis, dass die Griechen seit je her darauf vertrauten, dass der bewohnte Himmel die Geschicke des Landes und der Menschen lenken kann. Das tief religiöse Griechenland, das selbst auch das Vorbild für das römische Pantheon geliefert hatte, räumt nun mit diesem Lehrsatz auf.
"Das antike Griechenland kannte zwölf Götter, dass moderne nur noch elf." So prangte es auf dem Mannschaftsbus der griechischen Fussballnationalmannschaft, die derzeit in Portugal die Fussballwelt in Erstaunen versetzt. Die griechischen Spieler, die bisweilen auch als "Fussballgötter" bezeichnet werden, versetzen derzeit ein ganzes Land in eine bisher nicht erreichte Fussballeuphorie. Mit dem Sieg über Portugal und dem späteren Einzug in das Viertelfinale der Euro 2004 feiern die Griechen ihren größten Erfolg im internationalen Fussball. Die Säkularisierung des Himmels und die Divinisierung des Fussball erreichte jedoch auch nach der Niederlage gegen Russland einen griechischen Höhepunkt.
Bleibt zu hoffen, dass der 12. Fussball Gott Otto Rehagel nach dem Rücktritt Rudi Völlers auch der deutschen Nationalelf dazu verhelfen kann in Zukunft gleichfalls in himmlische Sphären aufsteigen zu können.